Bergverein zu Hüttenrode e.V.

Von Spukgestalten, Berggeistern und einem rührigen Verein
Ein nasskalter, nebeliger Novemberabend breitet seinen dunklen Mantel über Bäume, Büsche, Wiesen und Gewässer des Hüttenröder Sonnenbergreviers. Heulend fährt der Wind durch die kahlen Kronen der Bäume, reißt manch morschen Ast vom Stamm und wirbelt das Laub die Wege entlang. Obwohl es noch früh am Abend ist, beschleunigt der Wanderer seine Schritte. Es ist nicht geheuer hier, heute wie vor hundert Jahren. Der alte Berggeist spukt unbeirrbar in den Pingen trotz Mondlandung, Fernsehen und Computer. Der Wanderer kennt die Legion der alten und neuen Gespenstergeschichten und bleibt trotz aller Aufgeklärtheit mit Schrecken stehen, als ein einsames Licht aus dem Dunkel unruhig blinkt. Ein Licht, das aus der Erde kommt und den Felsspalt mit seinen Nebelschwaden schemenhaft hervortreten lässt. An dieser Stelle angekommen, fällt dem Wanderer ein Stein vom Herzen. Nicht der Berggeist rumort im alten Zorger Schacht, es sind die Kameraden des 2004 gegründeten „Bergvereins zu Hüttenrode“, gute Berggeister im wahrsten Sinne des Wortes. In harter bergmännischer Arbeit wird der alte, durch mächtige Braun- und Roteisenlager getriebene Sonnenbergstollen wieder aufgewältigt. Da müssen Verbrüche mit Ausräumen und Verbauen bewältigt, neue Strecken erkundet und vermessen und solide Stahlprofilausbaue angelegt werden. Fachleute sind hier unter Leitung ehemaliger Steiger und Obersteiger am Werk. Sie, die der Berg immer noch magisch anzieht, verstehen unter Vereinsarbeit nicht nur die Teilnahme an Bergparaden und das Fachsimpeln in gemütlichen Kaffeerunden, sie brauchen wie die Luft zum Leben die Welt von Untertage. Solche Arbeit ist genügend vorhanden für den 30 Mitglieder zählenden Hüttenröder Verein. Gilt es doch die bergmännische Vergangenheit eines Dorfes aus jahrzehntelangem Schlaf ans Licht der Öffentlichkeit zu holen. 2004 formierten sich ehemalige Kumpel der Harzer Eisenerzgruben um ihren Bürgermeister, der selbst ehemaliger Bergmann ist, als ersten Vorsitzenden und brachten in kurzer Zeit eine Vereinsgründung zustande.


Außer der o.g. Aufwältigung des Sonnenbergstollens wurden viele andere Stollen und Schächte vor unbefugtem Betreten gesichert. Mit dem zuständigen Bergamt ist ein gutes Einvernehmen hergestellt. In Zusammenarbeit mit Historikern konnte in akribischer Kleinarbeit eine als Sprengstoffverbrechen 1893 stattgefundene Dynamitexplosion, bei der acht Bergleute den Tod fanden, als Unfall rekonstruiert werden. Den im Berg gebliebenen Kumpeln wurde am Ort der ehemaligen Zeche mit der Aufstellung eines Obelisken gedacht.
Die Teilnahme an der großen Bergparade 2006 in Elbingerode brachte dem Verein einen großen Aufmerksamkeitsschub. Neue Mitglieder aus dem Kreis der Bergbauinteressierten sind Herzlich Willkommen! Nimmt man hinzu, dass viele Mitglieder der Vereinigung an verschiedenen Stellen gesellschaftliche Arbeit leisten, so kann man nicht mehr glauben, dass die Bergbrüderschaft sich etwa in romantisch – biedermeierischer Verträumtheit in der Vergangenheit verlöre. Ihren Mitgliedern ist die Erinnerung an große Zeiten der Hüttenröder Geschichte vielmehr Ansporn, ihre Kräfte in der Gegenwart einzusetzen, damit die heutige Generation ihrer tüchtigen Vorfahren würdig ist. Jedes Jahr gibt es wiederkehrende Höhepunkte wie: Berghauptquartal im März, Tag des Deutschen Bergmanns, Erster Sonntag im Juli sowie die Mettenschicht am zweiten Adventswochenende.

1. Vorsitzender
Andreas Pawel
Grimmengasse
38889 Hüttenrode
Telefon: 0171 8292931